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US-WAHLEN
Wie Donald Trump Europa Hausaufgabenhilfe gibt
Düstere Stimmung allerorten heute, auch der graue Himmel und das nasskalte Wetter passen genau ins Bild. In der Nacht um vier Uhr das Ergebnis aus Florida gelesen, wieder eingeschlafen, am Morgen nicht (!) aus einem Albtraum erwacht ...



Der 9. November war vor 27 Jahren der Tag, an dem die Geschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihren symbolischen Wendepunkt hatte. Mit dem Fall der Berliner Mauer begann eine neue Ära. Ob der 9. November 2016 (MEZ) einstmals als ebensolcher Wendepunkt gesehen werden muss? Jedenfalls setzt er nach dem Brexit-Votum die Reihe der Ereignisse fort, die einen kurzzeitig zweifeln lassen, ob Demokratie wirklich die beste aller Staatsformen ist und ob die Tätigkeit als Wahlforscher eigentlich irgendeine berufliche Qualifikation voraussetzt.

Niemand weiß heute, wie ein Präsident Trump tatsächlich politisch agieren wird. Wenn man ihn aber bei seinen eigenen Worten nimmt, wird Übles wahrscheinlich. Doch allein dies zu beklagen hilft nicht!

Für Europa kann die Antwort auf den drohenden Isolationismus der USA nur lauten: zusammenstehen, das europäische Projekt stärken, überfällige Reformen endlich umsetzen. Wenn in der EU weiterhin kurzsichtig und eigensinnig nationale Einzelinteressen die Agenda bestimmen, wird Europas Gewicht auf der Weltbühne in sich zusammenbrechen. Zugunsten von China, USA und Russland.

Den Anhängern der populistischen politischen Rattenfänger in Europa sollte verdeutlicht werden, dass nicht ihre Gegner in Brüssel, Paris, Berlin oder Den Haag sitzen, sondern viel eher Moskau, Peking und – demnächst – Washington ein Interesse an der Schwächung Europas haben. Statt sie als Prügelknabe für jedwede Unannehmlichkeit und Negativentwicklung missbraucht zu lassen, sollten die politisch Verantwortlichen die EU endlich wieder positiv als solidarische, wertegebundene und Wohlstand generierende Einheit positionieren.

Das hierfür erforderliche Umdenken könnte durch die Radikalität des kommenden US-Präsidenten begünstigt werden. Ein Sieg Clintons wäre wohl für Europa kurzfristig bequemer gewesen, doch wenn unter dem Eindruck des US-Wahlergebnisses ein Ruck durch Europa ginge, dann könnte der 9. November 2016 einst doch sein Gutes gehabt haben.

Andreas Hertsch
09.11.2016 KI [235230-0]
© 2017 KI Kunststoff Information, Bad Homburg
Druckdatum: 26.06.2017
Ref: 5hnlyz55krgjhzyru4cdj455
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