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NETSTAL: Will KraussMaffei die Tochtergesellschaft verkaufen?

NETSTAL
Will KraussMaffei die Tochtergesellschaft verkaufen? / Zunächst Umbau in eigenständigen Konzernteil
Renzo Davatz, einst Auszubildender, jetzt CEO (Foto: KraussMaffei)
Die Logik hinter dem Vorgehen des Kunststoffmaschinenbauers KraussMaffei (KM, D-80997 München; www.kraussmaffei.com) könnte einen verblüffen – würde man sie denn verstehen: Erst wird die Tochtergesellschaft Netstal (Näfels / Schweiz; www.netstal.com) gegen allen Widerstand der Eidgenossen über mehrere Jahre hinweg quasi vollintegriert und von Zulieferern innerhalb der Wertschöpfungskette zwangsbefreit. Nun jedoch scheinen die Marke, die in Näfels verbliebene Endmontage sowie einige wenige noch zum Unternehmen gehörende Vertriebsgesellschaften ins Schaufenster gestellt zu werden. Aus KraussMaffei High Performance wird im Oktober wieder Netstal, nun als „selbständiger Konzernteil“, wie KM mitteilte, mit Renzo Davatz als neuem und alten CEO (zuletzt siehe KIWeb vom 15.06.2016). Er ist bereits seit seiner Lehre als Elektromechaniker dort tätig.

Dass KraussMaffei seine Schweizer Tochter verkaufen wollte, war schon länger erwartet worden. Immer wieder kochten in den vergangenen Jahren entsprechende Gerüchte hoch – mal wurde unter der Hand der Abfüllanlagenhersteller Krones (D-93073 Neutraubling; www.krones.com) als potenzieller Übernehmer genannt, dann wieder der italienische Hersteller von PET-Blasformmaschinen Sipa (Vittorio Veneto / Italien; www.sipa.it).

Dennoch dürfte der Schritt jetzt überraschen. Fast scheint es so, als sei hinter den Kulissen von KM ein Tauziehen zwischen dem deutschen Management und den chinesischen Mehrheitseignern im Gange. Denn lange Zeit wurde in Gegenrichtung umgebaut: So wurde erst vor kurzem Dr. Volker Nilles als Verantwortlicher für das gesamte Neumaschinengeschäft an die Stelle der bisher für die Verarbeitungstechnologien verantwortlichen Abteilungsleiter gesetzt (siehe KIWeb vom 31.05.2021).

Pikant ist zudem die Begründung, mit der die Ausgliederung der Schweizer Tochter von der Münchner Mutter erklärt wird: „KraussMaffei rechnet mit starkem Wachstum in den Bereichen Medical und PET“ – also den ursprünglichen Kernbereichen der auf Dünnwandanwendungen spezialisierten Maschinen von Netstal. Immerhin könnte man vermuten, dass KraussMaffei so agiert, um im Fall des (klammen) Falles schneller einen Verkauf in die Wege leiten zu können. Was dann mit den zahlreichen Zulieferverflechtungen innerhalb von KM geschehen würde, die Netstal benötigt, um wirklich auf eigenen Füßen stehen zu können, bleibt dahingestellt. Immerhin hatte der Mutterkonzern „zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit“ die zerspanende Fertigung sowie die Baugruppen-Vormontage von 2013 an schrittweise an Schwesterwerke innerhalb des Konzerns in Deutschland und der Slowakei verlagert (siehe KIWeb vom 06.09.2013).

Klar ist hingegen, dass auch die Netstal-Vertriebseinheiten, die vor zwei Jahren in KraussMaffei High Performance umbenannt wurden, künftig wieder zu Netstal gehören. Dazu zählt auch jene in Deutschland. Vertriebseinheiten, die mit KraussMaffei-Gesellschaften zusammengelegt wurden, werden wieder getrennt – unter anderem in Frankreich. Die vielen über lange Jahre treuen Verarbeiter jedenfalls – selbst KM-CEO Dr. Michael Ruf betont, dass man mit dem Schritt „den Wünschen der Kunden Rechnung trägt“ – dürfte es freuen, wenn sie wieder ihre altbekannten Ansprechpartner zurückbekommen.
16.08.2021 KI [248352-0]
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